Freiheit für alle ist ein geschichtlich sehr junges Prinzip unserer Gesellschaft. Selbst die vielen freiheitsliebenden Philosophen der Aufklärungsperioden der Antike und auch der Neuzeit waren skeptisch, ob es für „die Masse“ nicht besser sei, dass sich jemand um sie kümmert. Erst seit sich die „Radikalen“ durchgesetzt haben und politische und wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit für alle ausprobiert worden ist, können wir sehen, dass die Bedenken falsch waren.
Im Gegenteil, unser Wohlstand und die Absenz von echter Armut in Europa verdanken wir dem Mut, ALLEN die ungehinderte Teilnahme zu ermöglichen.
Das gibt uns wirtschaftlich die Möglichkeit und auch die Pflicht, uns vermehrt um Menschen zu sorgen, die dabei nicht so erfolgreich waren.
Eine Buchempfehlung zu den wirtschaftlichen Aspekten ist Wolf Lotter: Zivilkapitalismus
Es gibt aber auch nach dem überwältigenden Erfolg immer noch starke Kräfte, die Freiheit für alle nicht als Ziel, sondern nur als Belastung sehen. Freiheit manifestiert sich ja vor allem auch in der Möglichkeit, Dummes zu tun. Wie verlockend ist es doch dann, zu behaupten, es sei besser, solche Menschen an der Hand zu nehmen und sie zu entmündigen.
Noch besser funktioniert die Abwertung der Freiheit mit dem Angstargument. Freiheit wecke das Böse in den Menschen und ließe die Unbeschützten von Wölfen zerfleischen. Hobbes versuchte, so die autoritäre Staatsgewalt als Notwendigkeit zu rechtfertigen.
Für eine gewisse Zeit stellten die technologischen Möglichkeiten der Datenverarbeitung und vor allem der Kommunikation im Internet eine Art magisches Schwert der Freiheitsfahnenträger dar. Konservative und sozialistische Staatsanhänger schauten sehr skeptisch auf die offenbar anarchisch selbstorganisierten Dinge, die da unkontrolliert und ungeplant vor sich gingen. Aus kalkulierbaren Medienlandschaften wurden Massen an Schreiber_innen und Leser_innen, die in Foren, Blogs kamen und gingen und sich gegenseitig mehr beeinflussten, als die Medien selbst.
Aber die Macht der Autoritätsgläubigkeit darf niemals unterschätzt werden.
… weiter in Teil 2 …