Gute Frage, aber ein bisschen spät, 5 Tage vor der Wahl.
Wenn man sich im pinken Schal in den Intensivwahlkampf auf die Straße wirft, ist es aber eine der Top 3 Fragen, denen man sich stellen muss.
Besonders Erstwähler_innen und ehemalige Traditionswähler_innen stellen sie ernsthaft.
Betonbürger_innen stellen die Frage auch, aber mit dem Unterton, dass außer der eigenen Partei eigentlich keine anderen zugelassen werden sollen. Für diese habe ich keine Antwort. Wir nennen das Demokratie und hoffen, dass es noch eine Weile so bleibt.
Wo ist also die Lücke im Parteispektrum, die so brach lag, dass Tausende Zeit, Energie und Geld in ein Projekt investieren? Vor kurzem erklärte ich einer Erstwählerin vollmundig und etwas arrogant: „NEOS ist fast so gut wie die Grünen und so gescheit wie …, wie …, wie sonst keine andere Partei!“ Interessanterweise nahm sie das wohlwollend auf und meinte, das versteht sie.
Nun hatte ich die Pflicht, nachzuprüfen, ob mir da nur ein Gedankenfurz ala Stronachs Berufskiller entwichen ist, oder etwas, was immer schon im Köpfchen war, nur nicht klar genug ausformuliert. Als Physiker tut man folgendes: Man zeichnet ein Koordinatensystem und trägt die exisiterenden Parteien einfach ein, von nicht gscheit bis gscheit und von nicht gut bis gut. Da kommt dann ein Diagramm mit bunten Flecken raus. Das Diagramm ist meine subjektive und in etlichen Details viel zu simple Einschätzung. Dann geht man zu anderen Kollegen und lässt sie das Gleiche tun. Da kommt ein bisschen was anderes raus.
Aber alle hatten eine merkwürdige Systematik: Es gibt nicht gute, nicht gescheite Parteien und es gibt gute, nicht gescheite. Es gibt besonders dumme und halbwegs normale. Aber niemand positionierte eine Partei in den oberen Quadranten, dh eine gute und gescheite Partei inklusive deklarierte Anhänger von spezifischen Parteien.
NEOS dorthin zu positionieren ist eine brutale Ansage und der Anwurf ist berechtigt: “Erstickt nur mal nicht an Eurer Arroganz.”
Die NEOS, die ich kenne (also recht viele) sehen das aber eben nicht, wo wir naturgemäß einfach sind, sondern wo wir sein müssen und als Auftrag.
Weil wenn NEOS nicht dort sind, dann gibt es keinen anderen Platz für sie. Vielleicht sind deshalb so viele mit so irrem Enthusiasmus dabei. Besser sein, Gescheiter sein, mehr denken, ehrlicher sein. Nicht nur so tun als ob.
